Fremder in einer fremden Welt

Mit sechs Jahren wusste ich es bereits.

Nicht dass ich es hätte benennen können. Aber ich wusste: diese Welt und ich, wir werden keine einfache Beziehung haben.

Ich habe gelernt wie man sich verhält. Beobachtet. Kopiert. Adaptiert. Jahrelang. Weil ich nie wirklich verstanden habe wie das funktioniert – dieses Zusammenleben, dieses Dazugehören. Also habe ich Musik geschrieben die andere wollten. Fahrstuhlmusik. Leichte Kost. Angepassten Pop für eine Industrie die Gefühl in Produkt verwandelt. Songs auf Nummer-1-Alben. Songs auf Gold-Alben. Jeden Morgen aufgewacht und gewusst: das bist du nicht.

Das war mein Teufelskreis. Schreiben um zu überleben. Überleben um weiterzuschreiben. Und mit jedem Song der nicht meiner war ein Stück weiter weg von dem was ich mit sechs Jahren wollte – bevor ich wusste dass man Träume vergraben muss damit sie einem keiner wegnimmt.

Jetzt habe ich kein Management. Keinen Verlag. Keine Aufträge.

Und ich habe das ehrlichste, dunkelste, kompromissloseste Werk meines Lebens gemacht.

Es heißt „Fremder in einer fremden Welt.” Es ist aus mir herausgeplatzt nach Jahren der Resignation, der Trauer, der Überreizung. Es hat keinen Filter. Ich beobachte den Müll dieser Gesellschaft und werfe ihn zurück – manchmal tourettehaft, manchmal auf eine Art die unbequem ist. Eine Gesellschaft die sich selbst betäubt und Betäubung Fortschritt nennt. Die scrollt statt fühlt. Die drei Sekunden Fun will und dann wieder vergisst.

Warum ist Kurt Cobain gestorben? Weil echtes Gefühl in dieser Welt ein Risiko ist.

Ich nenne mich Hanussen. Wie der Hellseher. Wie der Unbequeme. Wie der der gesehen hat was andere nicht sehen wollten – und dafür ermordet wurde. Ich maße mir nicht an mich mit ihm zu vergleichen. Aber der Name trägt etwas das ich tragen will: die Last des Sehens in einer Zeit die das Wegsehen kultiviert hat.

Kunst war immer eine Bühne für die Außenseiter. Kein Studienfach, kein Schritt für die Karriereleiter.

Ich bin ein Künstler. Das ist mein Job. Dafür wurde ich geboren.

Wenn du nachts wach liegst und das Gefühl nicht benennen kannst – willkommen.

Wenn du aufgehört hast so zu tun als wäre alles in Ordnung – willkommen.

Wenn du der Meinung bist dass es heute immer weniger Echtes gibt – dann bist du hier richtig.

Alle anderen: kein Problem. Aber ihr seid hier falsch.

— Hanussen​​​​​​​​​​​​​​​​

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